Montag, 14. Juni 2010

„Die bösen Wilden“ zu Gast in der Achtzig-Galerie für Zeitgenössische Kunst
Vernissage: 2. Juli 2010 von 19:00 bis 23:00 Uhr Ausstellung: 3. Juli 2010 bis zum 28. August 2010

„Die bösen Wilden“ – das ist die neue Gruppenausstellung der Achtzig-Galerie für Zeitgenössische Kunst (www.dianaachtzig.de) im Herzen Berlins. Vertreten sind die Künstler Holger Friedrich, Barbara Gerasch, Sabine Schneider, Mathias Melchert, Erica Golling, Frank Hoppmann, Diana Achtzig und Peter Gragert mit ihren Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen.

Unüberhörbar schwingt im Titel auch der Rückgriff auf die „Neuen Wilden“ mit, die am Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts die Malerei ihrer Zeit zu erneuern versuchten. Überall in Europa und in den USA brachen junge Künstler auf, um die Kunst aus der Knechtschaft des Intellekts zu befreien und gegen die traditionellen Vorstellungen von Kunst zu revoltieren: Gewollte Formlosigkeit, Heftigkeit in Technik und Inhalt, der Hang zu expressiver Farbgebung, die auch vor Graffiti-Elementen nicht zurückschreckt, sowie die spontane und individuell-emotionale Begegnung des Künstlers mit den Grundthemen der menschlichen Existenz kennzeichneten diesen Aufbruch. Die „Neuen Wilden“ besaßen auch ihren eigenen Soundtrack, da sie ihre Emotionalität und ihr subversives Potential mit der Musik des New Wave teilten. Vorbilder wurden unter anderem aus dem Bereich des deutschen Expressionismus sowie aus dem Kader der Dadaisten rekrutiert. Martin Kippenberger für Hamburg und Georg Baselitz für Berlin zählen zu den ersten und auch berühmtesten Vertretern der „Neuen Wilden“.

Die Künstler dieser Ausstellung zeichnet derselbe Hang zu einer überbordenden Bildlichkeit, zu stilistischer Heftigkeit, zum Experimentellen und dem spontanen, „wilden“ Erleben unserer Welt aus.

Die Werke Sabine Schneiders sowie Mathias Melcherts sind immer „wild“ und mitunter auch „böse“. Das ist ihr Blick auf eine Welt, die sich beständig im Aufruhr befindet und deren „Eckpunkte“ (z.B. Wirtschaft) dem Einzelnen zu entwachsen scheinen. Die künstlerische „Verarbeitung“ einer solchen Welt muss notwendigerweise auch ohne klassische Formbildung auskommen. An deren Stelle tritt eine Abstraktheit, die in ihrer Unbedingtheit absolut und obsessiv erscheint und oft genug bis zur völligen Dekonstruktion des Gegenständlichen geht.

Auch Erica Golling als Vertreterin der Minimal Art zelebriert in ihren Werken die Abstraktion als obsessive und notwendige Abkehr von der klassischen Formgebung. In ihren Gemälden findet sich neben der expressiven Farbgebung die vollkommene Reduktion auf geometrische Grundformen, auf die einzelnen Teile, aus denen sich unsere unentwirrbare Gegenwart zusammensetzt.

Die Arbeiten Frank Hoppmann (Karikaturist und Maler), Holger Friedrichs, Barbara Geraschs und Diana Achtzigs nähern sich dem Phänomen einer widerborstigen Wirklichkeit hingegen auf einen andere Art und Weise, die dennoch dasselbe zu zeigen versucht. Ihre Werke zeichnen sich durch eine überbordende, wilde Gegenständlichkeit aus: Ihre Bildwelten reihen Objekt um Objekt aneinander und erzählen Geschichte um Geschichte. Diese bildgewaltigen Erzählungen befassen sich stets mit menschlichen Grundthemen, wie Angst, Sexualität und Gewalt, und es ist der Künstler, der diese anthropologisch-konstanten Konflikte dann in neue, experimentelle Ausdrucksformen übersetzt: Immer wieder werden Hierarchien im Sinne klassischer Geschichten nachgebaut, die dann heftig, ja oft gewalttätig dekonstruiert werden.

Die Vernissage zur Ausstellung „Die bösen Wilden“ findet am 2. Juli 2010 von 19:00 bis 23:00 Uhr in der Achtzig-Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Brunnenstr. 150 in 10115 Berlin statt. Die Ausstellung selbst ist für Kunstinteressierte vom 3. Juli 2010 bis zum 28. August 2010 geöffnet.